| Jugendfeuerwehr Baden Württemberg goes Europa |
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| Donnerstag, den 02. September 2010 um 06:07 Uhr |
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Seit vielen Jahren besteht zwischen dem Zivilschutzverband in Ungarn und der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg ein enger Austausch. Nun sind nach dem letzten Zeltlager in Ungarn, welches 1994 in Esztergom durchgeführt wurde, wieder 19 Jugendfeuerwehren aus Baden-Württemberg einer Einladung nach Ungarn gefolgt. Vom 29.07.2010 an wurde vor den Toren der Stadt Maglod, in der Nähe von Budapest eine Zeltstadt aufgebaut. Hier erlebten deutsche, ungarische und später auch noch slowakische Jugendliche gemeinsam schöne und erlebnisreiche Tage. Den Rahmen des Zeltlagers bildete ein von der Aktion „Jugend in Europa“ gesponsertes EU-Projekt. Das gesamte Lagerleben mit dem Titel „Wir leben Europa“ wurde von Europäischen Organen wie EU-Kommission, EU-Parlament, EU-Rat und Vermittlungsausschuss bestimmt. Von den ungarischen Freunden wurde zu Beginn ein umfangreiches Lageraprogramm gestaltet. Um die gastgebende Stadt kennenzulernen wurde am ersten Tag eine Stadtralley organisiert. Gesteigert wurde diese Aktion von einem ungarischen Tag. Zu Beginn des Tages wurde von den Kameraden des ungarischen Zivilschutzverbandes und der Feuerwehr aus Monor ein Parcours an dem sich die Teilnehmer aus Deutschland mit den Tätigkeiten verschiedener Hilfsorganisationen ausprobieren konnten. Um die Gemüter an diesem sehr heißen Vormittag etwas abzukühlen und weil gerade ein Löschfahrzeug zur Verfügung stand, wurde spontan eine große Wasserschlacht vom Zaun gebrochen. Nach und nach waren nass, inklusive der anwesenden Feuerwehrmänner. Am Nachmittag zeigten Bürger und Vereine aus Maglod die ungarische Handwerkskunst.Hier wurde getöpfert, gestickt, gespinnt, gebastelt und, und, und. Die kulinarischen Genüsse kamen an diesem Nachmittag auch nicht zu kurz. Langos, Palatschinken und Görhöny (Kartoffelpuffer) wurde von den deutschen Teilnehmern gerade zu verschlungen. Die ungarischen Hausfrauen und ihre Helfer kamen mit der Produktion kaum hinterher. Der Besuch der ungarischen Hauptstadt, der Puszta um umliegender Badeseen rundete in den anschließenden Tagen das kulturelle Programm ab. Um das Lagerleben zu gestalten und zu organisieren wurde auf dem Zeltlager im Rahmen eines Projektes die Europäische Union abgebildet. Jeder teilnehmenden Gruppe wurde in einem Vortreffen mittels Losverfahren ein Mitgliedsland zugewiesen. Zuhause wurde dann jeweils eine Präsentation über die Geschichte des Landes nach dem 2. Weltkrieg, die Struktur des Landes (Bevölkerung, Bildung, Infrastruktur), welche kulturelle und wirtschaftliche Ressourcen es gibt, welche politischen Parteien es gibt, wie sich die aktuelle Regierung darstellt und welche Interessen gegenüber Europa vertreten werden. Die Zugehörigkeit zur EU und welche Rolle innerhalb der EU eingenommen wird sollte die Präsentation abrunden. Im Rahmen eines zweiten Vortreffens wurden die Präsentionen zum ersten Mal vorgeführt. Am offiziellen Lagereröffnungsabend wurden dann allen Lagerteilnehmern auf witzige Weise die Informationen zu den 20 Mitgliedsländern der Lager-EU vorgetragen. Hier wurden u.a. Kochshows und Quizsendungen zum Besten gegeben. Damit das vom europäischen Programm „Jugend in Aktion“ geförderte thematische Projekt „Wir leben Europa“ auf dem Zeltlager in Ungarn gelebt werden konnte, wurde in dem bereits erwähnten 2. Vortreffen die Lager-EU inhaltlich erarbeitet und im sogenannten „Bonndorfer Vertrag“ festgehalten. Vor dem Hintergrund des gerade in Kraft getretenen Lissabon-Vertrags und der damit erweiterten Kompetenzen des Europäischen Parlamentes sollen die Teilnehmer die demokratischen Strukturen der EU und die Funktionsweise der einzelnen Institutionen, z.B. des Europäischen Parlaments, kennen und verstehen lernen, sowie das Zustandekommen von Entscheidungen erkennen. Somit soll die Partipation junger Menschen erreicht werden und zu einer aktiven Europäischen Bürgerschaft führen. Durch die Erlebnnisse werden die Jugendlichen diese Rolle annehmen und weitertragen. Um den Jugendlichen ein Verständnis für die komplexen und vielleicht auch für Jugendliche abstrakte Prozesse der EU zu ermöglichen, müssen sie auf eine für Jugendliche reale, verständliche und nachvollziehbare Ebene herunter gebrochen werden. Dies umfasst das gesamte Leben der Freizeit/Zeltlager wie Verpflegung, Programm (Besichtigungen, sportliche Aktivitäten, kulturelle Abende, Events, Aktionen usw.), Regeln des Lagerlebens, Logistik etc. Mit dieser Methode sollen sie die Strukturen der poltischen Willensbildung in der EU kennen lernen, um sich dann später den wahren Themen der Europäischen Union widmen zu können. Insofern werden durchaus Impulse für eine aktive europäische Bürgerschaft gelegt. Auch aufgrund des hohen partizipativen Charakters des Projekts können die jungen Menschen die Mechanismen, Konzepte und Praktiken der repräsentativen Demokratie selber erleben, ausprobieren und erlernen. Zu Beginn wurden während der Busfahrt nach Ungarn in jeder Busgruppe zwei EU-Kommissare gewählt, die dann zusammen mit einem Mitglied der Lagerleitung (Kommissionpräsident) und zwei ungarischen Kommissaren die Lager-EU-Kommission bildeten. In einer ersten gemeinsamen Sitzung wurden dann die Arbeitsgebiete wie Freizeit- und Partykommissar, Sport-und Spielkommissar oder Verpflegungskommissar verteilt und die Arbeit aufgenommen. Es werden alle das Lagerleben betreffende Punkte wie Verbesserung der Rahmenbedingungen (z.B. Verpflegung, Sanitäre Anlagen), Veranstaltungen (u.a. ein Fußballturnier und eine Beachparty) als Gesetzesvorlagen erarbeitet und in das Europäische Lagerparlament eingebracht. Alle Anträge wurden von den 54 jugendlichen Abgeordneten bis 18 Jahre vorberaten und dann in die zuständigen Fachausschüsse (z.B. Verpflegungsausschuss) weitergeleitet. Nach kurzer Beratung stimmten die Abgeordneten im Plenum über die jeweiligen Gesetzesvorhaben ab. Bevor die Gesetze aber in Kraft treten konnten, ist ein weiteres EU-Organ, nämlich der Europäische Rat, ins Spiel gekommen. Hier beratschlagten Jugendleiter im Alter von 18 -30 ob sie die Beschlüssen des Parlamentes zustimmen können oder nicht. Wenn Sie einem Beschluss des Parlamentes nicht zustimmen konnten, wurde dieser Antrag in den Vermittlungsausschuss weitergeleitet. Dieser siebenköpfige Vermittlungsausschuss bestehend aus je zwei Vertretern der Teilnehmer u18 und ü18, sowie einem Mitglied der Lagerleitung und zwei Mitgliedern aus der ungarischen Gruppe, beschloss dann über die von beiden Organen nicht gleich abgestimmten Anträge in letzter Instanz. Ein Beispiel war ein Antrag der „griechischen Regierung“ aus Sipplingen über eine Finanzhilfe. Dem Antrag wurde vom Parlament zugestimmt, der EU-Rat konnte sich nicht auf eine Mehrheit dafür einigen. So musste am Abschlussabend der Vermittlungsausschuss über das bereits geschnürte Hilfspaket in Form von Süßigkeiten für das griechische Volk befinden. Zum Ende des Lagers sind dann noch Teilnehmer aus der Slowakei eingebunden worden. Leider konnten sie aufgrund politischer und organisatorischer Probleme nicht am gesamten Zeltlager teilnehmen. Auf Antrag wurden sie am vorletzten Tag von allen Gremien als 21. Mitgliedsland in die Lager-EU aufgenommen worden. Da nicht alle Lagerteilnehmer in die EU-Gremien eingebunden werden konnten, aber trotzdem am Projektgeschehen teilnehmen sollten, wurden sie in der Parlamentsverwaltung als Protokollschreiber und als inhaltliche Mitarbeiter in den Kommissionen eingesetzt. Somit hatte jeder EU-Lager-Kommissar einen Mitarbeiterstab mit dem er die Anträge inhaltlich ausarbeiten konnte. Die Ergebnisse dieser Arbeit waren ein Fußballturnier, ein Besuch der Feuerwehr in Monor, ein Badetag im Aquaworld in Budapest und eine Abschluss-Beachparty am letzten Abend. Alle Aktionen wurden von beteiligten Jugendlichen in Eigenregie geplant und durchgeführt. Da es einen ungarischen Tag gab, wurde von den deutschen Teilnehmern auch ein deutscher Tag organisiert. Die Sport- und Spielkommission führte eine Spaß-Lagerolympiade durch, die immer wieder von Vorführungen von typisch deutschen Touristen humoristisch unterbrochen wurde. Ab gerundet wurde der thematische Tag mit einer schwäbischen Spezialität: Maultaschen mit Kartoffelsalat. Nach zehn erlebnisreichen Tagen wurden die Zelte wieder abgebrochen und die lange Busreise in die baden-württembergische Heimat angetreten. Das nächste Landeszeltlager 2012 ist schon in der Vorbereitung. |